Jerusalem gilt als eine der bedeutendsten Städte der Weltgeschichte – heilige Stätte dreier Weltreligionen und Ursprungsort des christlichen Glaubens. Doch die Faszination für diese Stadt beginnt nicht erst heute und sie endet auch nicht an den Grenzen der Levante. Bereits seit dem vierten Jahrhundert machten sich Christ:innen von weit her auf den beschwerlichen Weg nach Jerusalem, errichteten dort die Grabeskirche und andere Erinnerungsorte an das Wirken Jesu. Mit dieser sogenannten christliche Sakraltopographie hinterliessen sie Spuren, die uns Auskunft über den Glauben der Menschen und Gottes Wirken in ihrem Leben und der Welt geben. Die Pilgerin Egeria z.B. machte sich im vierten Jahrhundert von Europa in das «Heilige Land» auf und hielt all ihre Eindrücke in einem Reisebericht fest. Eine solche Sehnsucht nach dem «Heiligen Land» setzte sich über die Jahrhunderte fort und erreichte auch das Gebiet der heutigen Schweiz. So liess sich bspw. Adrian von Bubenberg, Schultheiss von Bern, im 15. Jahrhundert in Jerusalem zum Ritter vom Heiligen Grab schlagen und brachte die Stadt als Bild mit nach Hause. Heute schmückt eine Wandmalerei eine Kirche im Berner Oberland, die den Menschen vor Ort erlaubt(e), die weite Reise nach Jerusalem zumindest im Geiste mitzuvollziehen.
Diesem Phänomen ist der Kurs gewidmet und lädt die Teilnehmenden ein, eine Reise nach Jerusalem mit Zeugnissen aus der Geschichte zu unternehmen und so in die reiche christliche Tradition des Pilgerns und der Sehnsucht nach Jerusalem einzutauchen. Dazu werden «Jerusalem-Orte» der Schweiz besucht, die den realen Ort hier vor Ort erlebbar mach(t)en. Von diesen Spuren ausgehend führt die Lernreise vom Jerusalem nördlich der Alpen an das Original südlich der Alpen. Dort begegnen die Teilnehmenden dem heutigen Jerusalem in seiner vielschichtigen religiösen Wirklichkeit und reisen nach Bethlehem in die Geburtsstadt Jesu. Begleitet wird der gesamte Kurs von der Leitfrage: Wie viel «Jerusalem» braucht (m)ein christliches Leben – persönlich und als Quelle für kirchliches Handeln?
